"Die Neuhauser Bockerlbahn" - Waldbahngeschichten


Leider sind nur wenige Geschichten, die sich damals zugetragen haben, überliefert, die wenigen bekannten sollen aber in einem Bericht über die Neuhauser Bockerlbahn nicht unerwähnt bleiben.

Holzhackerzumpft GeitauBei einem tragischen Unfall am Spitzing kam ein österreichischer Holzknecht ums Leben. In einem Schuppen beim Bahnhof Würzhütte wurde der Tote in einem Sarg aufgebahrt. Die Vorschriften sahen vor, dass die Leiche mit der Waldbahn ins Tal transportiert und dort am Bahnhof Fischhausen-Neuhaus in einem separatem Wagen über Holzkirchen, Rosenheim, Kufstein bis zu seinem Heimatort überführt werden sollte. Diese ganze Prozedur hätte, mit allen Formalitäten mindestens 10 Tage in Anspruch genommen. Seine Kameraden entschlossen sich jedoch für einen wesentlich kürzeren Weg. In der Nacht brachen sie den Schuppen auf, entwendeten die Leiche und trugen ihn über die Grenze zur Erzherzog-Johann Klause und weiter bis nach Brandenburg. Von dort holte ihn ein bereits verständigter Bruder mit einem Pferdefuhrwerk ab und brachte ihn auf schnellstem Weg nach Hause.

Ein Magazinbeschäftigter, der sich Harry Greiner nannte, fiel dadurch auf, dass er selbst bei größter Hitze immer Glacehandschuhe trug. Er begründete dies damit, dass er an den Händen schwitze. Als dieser Harry Greiner eines Tages verhaftet und nach München gebracht wurde, stellte sich heraus, dass er am Geiselmord im Frühjahr 1919 im Münchener Luitpoldgymnasium beteiligt war. Die Handschuhe trug er, um Narben an den Händen zu verbergen, die ein eindeutiges Erkennungszeichen waren. Auch der Name, unter dem er arbeitete, war falsch.

Ein etwa 50-jähriger Mann, der in Neuhaus nach Arbeit nachfragte, verweigerte die Angabe seiner früheren beruflichen Tätigkeit, da man ihm, wie er meinte, sowieso nicht glauben würde. Nach längerem Hin und Her legte er aber dann doch noch seine Papiere vor. Aus diesen echten Dokumenten ging hervor, dass es sich um den Polizeipräsidenten von Bukarest handelte.
Der Mann war in seiner Heimat zum Tode verurteilt worden und befand sich auf der Flucht. Man gab ihm Arbeit als Bauarbeiter, die dieser aber kurze Zeit später wieder aufgab. Was aus ihm wurde ist nicht bekannt.

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