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"Thomas
auf der Himmelsleiter", "Das sündige Dorf", "Der
Witwentröster" oder "Die ewige Eva" lauten die Titel
der Stücke, mit denen die Laiendarsteller des Schlierseer Bauerntheaters
wöchentlich während der Saison Gästen und Einheimischen Unterhaltung
bieten. Im Mai 2002 feierte zudem der "Ehestreik" von
Julius Pohl anläßlich des 110-jährigen Bestehens dieser berühmten
Heimstätte des ländlichen Komödienspiels Premiere. Das begeisterte Publikum
quittierte mit nicht enden wollenden Ovationen die Darbietung.
Eine
110-jährige Tradition lohnt den Blick auf die Geschichte
des Schlierseer Bauerntheaters. 1892 gründete der berühmte Hofschauspieler Konrad
Dreher aus München das Theater. Während einer
Tournee lernte Dreher 1889 in Berlin Xaver Terofal kennen
und war von dessen schauspielerischem Talent so begeistert, dass
er ihn ermunterte, "im bayerischen Gebirge ein Bauerntheater
zu errichten, einige talentierte Dorfbewohner auszusuchen und mit
diesen leichte
Gebirgsstücke aufzuführen". Kurze Zeit später konnte Terofal
in Schliersee den Gasthof "Seehaus" kaufen und mit großem
Elan ging man daran, die Theaterpläne zu verwirklichen. Es wurde
ein hölzerner Theaterbau errichtet mit einer Bühne, die alle technischen
Finessen der damaligen Zeit aufwies (elektrische Beleuchtung...).
Am Freitag, den 24. Juni 1892, wurde erstmals eine öffentliche
Aufführung, Benno Raucheneggers "Jägerblut", natürlich
vor ausverkauftem Haus dargeboten. Dreher war verantwortlich
für die Stücke, kümmerte sich um Spieler, Proben und Inszenierungen
und stellte die Spieler während der Wintermonate fest an. Im
Sommer spielte man in Schliersee - während der Wintermonate ging
man auf Gastspielreise. Die Schlierseer eroberten sich durch ihre
aufsehenerregenden Erfolge einen festen Platz in der deutschen
Theatergeschichte. Berlin,
Prag, Stuttgart und die Vereinigten Staaten - mit stürmisch gefeierten
Auftritten in der "Metropolitan Opera" - sind nur einige
Stationen, die den Ruhm des Schlierseer Bauerntheaters begründen.
1910 erfolgte im Deutschen Theater München die 5000. Vorstellung
von "Jägerblut" und Terofals 758. Auftritt als Bader Zangerl.
Im Ersten Weltkrieg spielten die Schlierseer vor Soldaten an den verschiedensten
Frontabschnitten. 1930 übernahm Terofals Schwiegersohn Carl Mittermayr
die Leitung des Theaters und nach dessen Tod 1941 die Witwe Fanny
Mittermayr-Terofal. Das Bühnenhaus wurde am 12. Januar 1947 durch
einen Brand völlig zerstört. 1948 konnte nach einer schwierigen
Wiederaufbauphase die Neueröffnung gefeiert werden. Das endgültige
"Aus" kam 1958. Fanny Mittermayr sah sich gezwungen, das
Essemble aufzulösen. Das Gebäude ging in den Besitz der Tegernseer
Brauerei über. Doch kein Ende ohne Neuanfang. 1966 übernahm die
neugegründete Theatergruppe des Trachtenvereins unter Leitung von
Sepp Peintner die Tradition des Schlierseer Bauerntheaters. Die
Marktgemeinde Schliersee erwarb im Jahre 1980 den Theaterbau und
konnte damit der Theatergruppe die Heimat bewahren. 1978 übernahm Hugo
Bauer die Spielleitung, Josef Peintner blieb bis März 1980 Theaterreferent.
Als Nachfolger wurde Hans Höß bestimmt. Ab Januar 1994 leitete Heiner
Oberhorner die Geschicke des eingetragenen Vereins "Schlierseer
Bauerntheater". Im Dezember 2002 wurde Kaspar Hirtreiter neuer
Vereinsvorstand.
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Konrad Dreher
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Xaver Terofal
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Essemble ca. 1930
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Quellen:
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Spielplan und Kartenbestellung
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Schliersee 779 - 1979
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unter
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Schlierseer Bauerntheater
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www.schlierseer-bauerntheater.de
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